Richters Dilemma mit den Disziplinlosigkeiten
Richters Dilemma mit den Disziplinlosigkeiten
Spielabbruch am Sonntag: Wiepenkathen hat acht Platzverweise in elf Spielen hinnehmen müssen - Trainer Jörg Richters reagiert
WIEPENKATHEN. Sportlich läuft es beim Fußball-Bezirksligisten TSV Wiepenkathen nicht. Der Tabellendritte der Vorsaison steht nach zehn Spielen mit nur acht Punkten auf einem Abstiegsplatz. Das elfte Saisonspiel wurde am Sonntag wegen einer Tätlichkeit von Adrian Watzlawczyk gegen den Schiedsrichter abgebrochen (das TAGEBLATT berichtete). Es war der achte Platzverweis, den der TSV Wiepenkathen in dieser noch jungen Saison schon verkraften musste. Trainer Jörg Richters steckt in einem Dilemma und hat reagiert. Dem Vorstand sagte er bereits, dass er zur Winterpause aufhören würde, wenn sich die Situation nicht bessere. Mit der Mannschaft wird er weitere intensive Gespräche führen. "Dass wir im Moment unsere Leistung nicht abrufen können, ist die eine Sache", sagt Richters, die Disziplinlosigkeiten könne er aber nicht akzeptieren. Er ginge gerne mit der Mannschaft, die für ihn wie eine Familie ist, in die Kreisliga, wenn es sportlich nicht klappe. "Entscheidend ist aber das Verhalten der Spieler. So gerne ich sie alle habe - meine Geduld ist bald am Ende", sagt Richters.
Das Problem des Trainers: Er weiß, was einige Spieler derzeit beschäftigt, welche privaten Probleme sie haben. So könne er so manche Überreaktion auf dem Platz verstehen, aber eben nicht tolerieren. Richters bricht freilich trotz aller Kritik auch eine Lanze für seine Sünder: Watzlawczyk beispielsweise wollte aus ernsten Gründen gar nicht spielen, half letztlich nur wegen der knappen Personaldecke aus. Wegen Motzens sah er eine Rote Karte, die er dem Schiedsrichter aus der Hand schlagen wollte. Unverzeihlich. Es hätte aber auch eine Gelbe Karte getan. Und: "Der Spieler ist durch die lange Sperre, die folgt, bestraft gewesen. Es war aber völlig überzogen, das ganze Spiel abzubrechen und somit unsere ganze Mannschaft zu bestrafen", sagt Richters. Gegner TSV Apensen habe die Situation ähnlich beurteilt, hätte weiter gespielt. Anwesende Schiedsrichter unter den Zuschauern haben die Situation wie Richters eingeschätzt. Richters hadert mit den "Demonstrationen junger Schiedsrichter", betont aber, dass seine Spieler lernen müssen, die Schiedsrichter-Entscheidungen, auch die falschen, zu akzeptieren.
"Ich werde weiter versuchen, mit der Mannschaft aus dem Leistungstief zu kommen", sagt Richters. Und die Spieler müssen ihre Gemüter zügeln. Das positive Erscheinungsbild aus der Vorsaison bröckelt langsam. "Und was ganz gefährlich ist: Unsere eigenen Fans wenden sich langsam auch ab", sagt Richters. (jb)
Artikel erschienen im Stader Tageblatt am 18.10.2011


