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Torwart-Trainer mit Handicap: Jürgen Elsen

Menschen integrieren beim TSV Wiepenkathen:
Jürgen Elsen ist mit nur einem gesunden Bein Vorbild

Léon Wiegers, Nils Gottschalk, Jürgen Etelsen und Justin Stricker (von links). Foto Ratje



Wiepenkathen. Jürgen Elsen ist Torwarttrainer der Fußballjunioren beim TSV Wiepenkathen. Jeden Freitagnachmittag steht er mit bis zu sechs Nachwuchstorhütern auf dem Fußballplatz. Dann wirft oder rollt er ihnen Bälle zu. Schießen kann er nicht. Elsen ist gehbehindert.
Sport kann Menschen verbinden. Aus diesem Grund hat der Kreissportbund Stade im Jahr 2006 das Projekt "Menschen integrieren" initiiert. Ziel ist es, mehr Menschen mit Handicap oder Migrationshintergrund für ein sportliches Engagement in einem Verein zu gewinnen. Ausgeschrieben ist ein Geldpreis von 3 000 Euro, der von der Sparkasse Stade-Altes Land gestiftet wird. Je 1500 Euro gehen an einen Verein oder Verband, der Migranten erfolgreich integriert und an einen Verein oder Verband, der Menschen mit Handicap erfolgreich ins Vereinsleben einbindet. Das Preisgeld wird unter allen Teilnehmern ausgelost, von denen einige im TAGEBLATT vorgestellt werden.
Seit 15 Jahren leitet Jürgen Elsen das Torwarttraining der Jugendmannschaften beim TSV Wiepenkathen. Bei den vielen Nachwuchsspielern ist er bekannt. Auch für seine harte Gangart. Jürgen Elsen verlangt den Jungs einiges ab. "Dieses Zusatztraining richtet sich an die Spieler, die ein bisschen mehr wollen. Die können gut damit umgehen", sagt Andreas Schütz, erster Vorsitzender des TSV Wiepenkathen.
Jürgen Elsen habe sein ganzes Leben lang viel von sich selbst verlangt, vielleicht verlange er daher auch viel von den Spielern.
Die Jungs mögen ihren Coach. Nils Gottschalk klettert in der Umkleidekabine auf das rechte, das gesunde Bein seines Trainers. In seinem ersten Lebensjahr erkrankte Elsen an Kinderlähmung. Das linke Bein kann er nur dank eines speziellen Stützapparates gebrauchen, außerdem trägt er Spezialschuhe. Rennen kann er nicht und nicht gegen den Ball treten. Das hielt ihn aber nicht davon ab, als Torwart aktiv zu sein. "Ich habe viele Jahre beim Hahler Express, der Mannschaft von den Schwinge Werkstätten, gespielt", sagt der 52-Jährige. Er selbst habe immer 100 Prozent gegeben, "von den Jungs erwarte ich 120 Prozent, denn die haben gesunde Beine".
"Das Training macht richtig Spaß und danach ist Jürgen auch richtig lustig", erzählt der neunjährige Nils Gottschalk. Dass ihr Trainer nicht schießen und laufen kann, stört die Jungs nicht. "Ist doch egal, dafür wirft er die Bälle", sagt Justin Stricker.
Wie lange Elsen noch als Trainer aktiv sein kann, weiß er nicht. Während der Einheiten muss er stehen, sein rechtes Bein trägt die gesamte Last. "Lange machen meine Knochen das nicht mehr mit", sagt er. Doch im Vorstand gibt es auch noch reichlich Aufgaben für den engagierten Stader. (lr)

Menschen integrieren
Das vom Kreissportbund Stade und der Sparkasse Stade-Altes Land ausgelobte Projekt "Menschen integrieren" ist bis zum Jahr 2010 angelegt. Es soll dazu dienen, eine größere Anzahl von Menschen mit Handicap oder Migrationshintergrund für eine aktive sportliche Betätigung in einem Sportverein zu finden. Die Preisverleihung findet am Mittwoch, 9. Juni in der Sparkasse Stade-Altes Land statt.

Artikel erschienen im Stader Tageblatt am 03.04.2010


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